Gelobt sei Jesus Christus!

Meine Tante war eine fromme Frau. Sie ließ keine Sonntagsmesse, keine Mai-Andacht und keine Walfahrt aus. Immer wieder kam sie auf die Kirche zu sprechen und meinte einmal, dass sie bei keinem Geistlichen beichten würde, wenn er verheiratet wäre. Selbstverständlich war sie für das Zölibat. Priester waren für sie eine Art Halbgötter und in ihrer Jugend war sie gar der Meinung, dass diese keinen Penis hätten. Nach Umfragen sind nun zwar die meisten Katholiken für Abschaffung des Zölibats, aber die sogenannten Fundamentalisten sind immer noch dafür. "Halbgötter", die "wandeln" können, sollten schon ein Opfer bringen.

Einmal sagte ein kritischer Katholik zu einem Kaplan: "Ihr seid selbst Schuld. Über 1000 Jahre habt ihr die Leute angelogen und jetzt werden euch die alten Katholiken lästig." Antwort: "Die sterben eh bald aus!"

In den letzten Jahren habe ich landauf, landab Bibliotheken aufgesucht und auch zu diesem Thema einige Bücher gefunden. Wieviel Elend, Heuchelei und schmutziger Sex ist wegen dieser Zölibats-Geschichte im Laufe der Jahre geschehen. Wieviele Priester haben heimlich eine Freundin, was geduldet werde. Nur wenn es auffliegt, dann gibt es Konsequenzen. Wieviele Kinder müssen zu ihrem Vater Onkel sagen? Und wie viele Männer fühlten sich für den Priesterberuf berufen, weil sie keine Neigung zu Frauen verspürten - um es vornehm auszudrücken. Erschüttert hat mich einmal im Fernsehn der Bericht eines Pfarrers (Gesicht und Stimme verzerrt), welcher sagte: "Ich bin homosexuell und nehme mir eben einen homosexuellen Mesner."

Und auf der anderen Seite die strengen Keuschheitsgebote, die Priester wagten ihren Gläubigen aufzuzwingen. An die peinlichen Verfehlungen von Priestern werde ich Sie nicht erinnern müssen, schließlich musste die Kirche hohe Summen an Vergütungen bezahlen. Auch die Internet-Zugriffe auf Kinderporno-Seiten in einem Priesterseminar spottet jeder Beschreibung. Und was meinte Jesus zu diesem Thema?

"Die zeitweise von Gott geduldete Verderbnis der Priesterschaft und ihre stark verfälschte Gotteswortverkündigung nötigt die Menschen zum selbständigen Suchen der göttlichen Wahrheit, und dies ist der Grund solcher Zulassung."   Ev. Bd. 2, Kapt. 203

Heilig gesprochene Päpste und sogar sympathische der jüngeren Zeit ließen jene Priester im Stich, die wegen dem Zölibat aussteigen wollten.

Und dabei wollte Jesus dieses Zölibat gar nicht, was schon im Evangelium deutlich wird. Er selbst konnte natürlich als inkarnierter Gott nicht heiraten und er hatte auch gewiss mit Maria Magdalena kein Verhältnis, wie es ihm in Büchern und Filmen immer wieder angedichtet wird. Aber Petrus war verheiratet, ist doch von seiner Schwiegermutter die Rede. In der Apostelgeschichte heißt es gar, dass ein Bischof nur einmal verheiratet sein soll. Es gibt auch noch andere Stellen, die ich nicht im Gedächtnis habe. Und in der Neuoffenbarung gibt es auch eine Kritik am Zölibat, das ich leider im Moment auch nicht finden kann.

In Österreich werden derzeit von ÖVP-Politikern Unterschriften wegen Aufhebung des Zölibats gesammelt. Da bin ich gespannt, was da heraus kommt. Denn einen Vorteil hatte die Ehelosigkeit der Priester - das Vermögen blieb in der Kirche!

Mit besten Wünschen und Grüssen

Ihre Traudy Rinderer

Anno domini 2009 am 26. Jänner