Gelobt sei Jesus Christus!

Als Jakob Lorber im Jahre 1864 starb, blieb sein Hauptwerk "Das große Evangelium Johannes" unvollendet. Erst 27 Jahre später wurde es von anderer erweckter Hand zu Ende geführt. Im Jahre 1891 empfing Leopold Engel die Berufung, das Werk zu vollenden. Für mich ist dies ein weiteres Echtheitszeichen, denn Engel schließt genau an den Text an, den Lorber zuletzt schrieb. Engel lernte schon als Knabe von 11 Jahren durch seinen Vater in Dresden kennen. Nie ist ihm jedoch der Gedanke gekommen, einmal selbst zum Schreiber berufen zu werden. Zwar religiös veranlagt, unterschied sich der Knabe in keiner Weise von anderen Knaben. Im Vorwort des 11. Bandes steht noch mehr über Leopold Engel und wie er seine Berufung erfuhr. Interessant ist, dass der Stil etwas anders ist als bei Lorber, was nicht verwunderlich ist, denn alle Kundgaben durch das innere Wort passen sich dem Medium an.

Mit Rael, einem betagten Juden, der Angst vor dem Sterben hatte, unterhielt sich der Herr wie folgt:

".....Als wir allein waren, sagte Rael zu Mir: 'Herr und Meister, ich bin ein sündiger Mensch, der nicht wert ist, dass Du mit Deinem Fuße dieses Haus heiligst; aber ich weiß auch, dass Du über die Maßen barmherzig bist und mir daher ale die begangenen Torheiten meines bisherigen Lebens sicherlich vergeben wirst, so ich Dich recht von Herzen darum bitte. Und so bitte ich Dich denn,  Herr und mein Gott, zunächst darum: Du mögest meine bisherige große Schwäche nicht ansehen und mir verzeihen, was ich je wissentlich und unwissentlich gesündigt habe!'

Sagte Ich: 'Rael, alle deine Sünden sind dir schon lange vergeben; denn Ich bin kein Gott der Strafe, sondern der Liebe. Wie könnte Ich also irgend etwas strafen wollen, wenn es einem Menschen so wie dir ernst ist mit solcher Bitte, wie du sie geäußert?! Ich bin aber in die Welt gekommen, um die große Sündenlast, welche die Menschen in ihrer großen Blindheit auf sich laden, zu zerstören und ihnen die Wege zur größten Glückseligkeit frei zu machen.

Habe also keine Sorge mehr um deine Sünden, die sich meist nur aus früherer Zeit noch nachweisen lassen, und die dir als böse Werke bei deinem Ableben von der Erde nachfolgen wie die guten! Sie sind verzehrt von Meiner Liebe. - Jetzt aber rede, was dich noch bedrückt; denn du hast ein besonderes Anliegen, weswegen du insgeheim mit Mir sprechen wolltest!'

Sagte Rael: 'Herr und Vater, ich danke Dir für Deine Worte aus tiefstem Herzen! Ich bin nun um so mehr von dem Wunsche erfüllt, der mich beseelte, seit ich Dich gesehen habe. Siehe, ich bin alt, mein Körper ist morsch und wenig tauglich mehr, Behausung dieser Seele zu sein! Die Hoffnung, den Erwählten Gottes noch sehenb zu können, hat bisher nur diesen müden Staub aufrecht erhalten, und jetzt, wo diese Hoffnung erfüllt ist, bitte ich Dich, Herr und Vater: Lasse Deinen Knecht in Frieden in die Grube fahren, damit er Dinem Reiche, das er nun mit leiblichen Augen gesehen, ein tüchtigeres Werkzeug werde, als er noch im Fleischesleben sein kann! Könnte ich unter Deinen Augen dahinscheiden, so werde ich den Tod gewißlich nicht schmecken und sicher und friedlich einkehren in das Reich, das Du uns verheißen hast!'

Sagte Ich: 'Rael, dieser Wunsch ruht schon lange in deinem Herzen, und deshalb solltest du ihn äußern, damit deine Seele auch von diesem letzten Drucke frei werde. Die übrigen, die jetzt schlafen, sind noch lange nicht reif, zu vernehmen, was dir zu wissen not tut.

Siehe, was ist denn der Tod des Menschen?! Weiter nichts als das Abfallen der reifen Frucht vom Baume, welches Fallen auch geschieht wie von selbst, ohne besonderes Zutun der Frucht. Ist der Mensch in seinem innersten Wesen so weit geläutert, um als reife Frucht zu gelten, so wird die Ablösung der reifen Seele von dem Stamme, dem Körper, auch völlig zwanglos geschehen. Dieser Augenblick tritt aber bei den Menschen, der nach Meinem Willen gelebt hat, derart ein, dass er auch ohne Meine Gegenwart völlig schmerzlos, ja sogar mit den freudigsten Empfindungen, hinübergleitet vom irdischen zum geistigen Leben.

Du aber hast dennoch, trotzdem du nicht am Leben gerade hängst, eine Art Besorgnis vor diesem Augenblicke und denkst, gestärkt von Meiner Gegenwart, am leichtesten über diesen dir unangenehmen Wendepunkt hinwegzukommen. Ich sage dir aber nun, dass du auch diese verzeihliche menschliche Schwäche ablegen mußt, damit dein Glaube, der dich bis jetzt erhalten hat und dieses hohe Alter erreichen ließ, völlig gekräftigt werde; denn der Glaube an Mich soll ja gerade das beste und einzige Mittel sein, alle drohenden Schrecknisse des Todes zu besiegen.

Ist der Mensch völlig gläubig geworden, und habe Ich ihm ins Herz gelegt, es sei Zeit für ihn, die Fleischesbande zu lösen, da sein irdisches Tagewerk vollbracht, so werde Ich ihm sogar die Kraft geben, selbst die Fesseln zu sprengen, und er entschlummert sanft vor den Augen der Seinen in Frieden.

 Das ist der Tod, wie er sein soll, wie er jedoch in den allerseltensten Fällen nur eintreten kann, weil die Menschen den Augenblick des Abrufens   m e h r   fürchten als alles andere und nicht durch gerechte Abnutzung, sondern durch gewaltsame Zerstörung der Körpermaschinerie den Übergang herbeiführen. Das verkehrte Leben hat daher auch die vielen Krankheiten geschaffen, die mit dem eigentlichen Tode nichts zu tun haben sollen, da nicht diese den Übergang, sondern die seelische Vollreife ihn bedingen soll.

Du, Mein Rael, sieh es daher nicht an, als wolle Ich dir einen Wunsch versagen, wenn Ich dir sage: Lebe noch eine kurze Zeit! Sieh das nicht als Strafe an, sondern übe dich, auch noch diesen letzten Rest eines irdischen Anhangens zu tilgen, um mit Mir vereint dann einzugehen in Mein Reich!'

Sagte Rael: 'Ja, Herr, wie stets, hast Du auch hier völlig recht, und ich werde sicher mein törichtes Verlangen in mir verschließen, um Deiner ganzen Liebe würdig zu werden. Ich werde dieses törichte Bangen vernichten und glaube fast, dass es mir duch diese meine Ansprache mit Dir auch schon gelungen ist. Doch wie soll ich denn das verstehen: Mit Dir vereint werde ich eingehen in Dein Reich? Wie, o Herr, meinst Du denn das? Wirst Du auch diese Erde verlassen?'

Sagte Ich: 'Ganz gewiß, sowie das Werk vollendet sein wird! Die Juden werden Gewalt erlangen über Meinen Körper und ihn töten. Und an diesem Tage werde Ich Selbst dich einführen in Meine Stadt, die an Stelle jenes Jerusalem, das hier auf Erden zerstört werden wird und eine Stadt aller Städte sein könnte, wenn seine Bewohner nur wollten und nicht gar so ruchlos geworden wären, in den Himmeln erbaut wird. Ich werde sodann von dort aus die Welt regieren, und Meine Getreuen werden mit Mir zusammenwohnen in den geheiligten Mauern, die aufgeführt werden durch dieses Mein Erdenleben, und zu denen Meiner Hände Arbeit Stück für Stück die Bausteine lieferte. - Doch genug hiervon! Du sollst mit Mir ein Bürger dieser Stadt sein, und bald wird dein Geist hell erschauen, was Ich dir jetzt nur anzudeuten vermag!'"

Ein leichter Tod, wer wünschte das nicht und dies wäre möglich, wenn man Gott richtig erkennt, ihn liebt, seine Gebote befolgt und wahre Nächstenliebe übt.

Mit besten Wünschen und Grüssen

Ihre Traudy Rinderer

Anno domini 2009 am 27. März