Gelobt sei Jesus Christus!

Es ist schon eine Weile her, da wurde ich von "Frauen für den Frieden" gebeten auch nach Rom zu kommen um Papst Johannes Paul II. zu bewegen mehr für die Abrüstung zu tun. Eine Schweizerin sagte, sie hätte recht gute Beziehungen im Vatikan und wir würden gewiss eine Audienz erhalten. Mein Mann war einverstanden und vertrat mich im Haushalt und zwei Freundinnen waren bereit die beiden jüngsten Kinder zu betreuen. Dabei war auch eine Kommunistin aus Frankreich, die einmal 28 Tage im Hungerstreik wegen der Atompolitik Frankreichs war und sich seither gesundheitlich nicht mehr erholt hatte. Dennoch machte sie auch mit. Wie ich später erfahren habe, hatte eine italienische Kommunistin das Treffen organisiert. Von einer Audienz war dann keine Rede, daher ketteten wir uns bei der Pietamit einer 7 m langen Kette und 7 Schlössern  an und alle Teilnehmerinnen bekamen einen Rosenkranz in die Hand, denn dann würde man erkennen, dass wir Katholikinnen waren. Es dauerte nicht eine Minute - vermutlich Überwachung durch Videokameras - und schon waren sieben Polizisten da. Nachdem sie die Schlüssel für die Ketten nicht bekamen, holte einer eine Metallschere und dann wurden die Ketten aufgeschnitten. Nun gab es einen Regiefehler. Auf den Petersplatz hatte man Reporter bestellt und diese warteten umsonst auf unser Erscheinen, denn hinter dem Altar gab es eine Türe und durch diese mussten wir Friedensfrauen marschieren. Ich erinnere mich noch gut an den schönen rosa Spannteppich - beste Ware, der in diesem Geheimgang verlegt war. Dann landeten wir in der Nähe der öffentlichen Toiletten. Ein großes Eisengitter sperrte uns von dem öffentlichen Leben im Vatikan ab, doch an diesem Tag gab es auch kein Clogeschäft.

Es war eine gute Idee zu behaupten, ich wäre eine Journalistin und so wurden wir recht gut behandelt. Keine Abschiebung in ein Gefängnis und durch Flugzeuge - was die Kosten weiter angehoben  hätte. Acht Stunden dauerte die Gefangenschaft und immer wieder kam neugieriges Personal. Sämtliche 12 Polizisten erschienen, der Pfarrer von der Peterskirche, ein paar Nonnen und ein paar edel gekleidete Schweizer Gardisten. Nachdem die Schweizerin und ich Italienisch konnten, erzählten wir von unserem Anliegen. Wir müssten dringend den Papst sprechen und ihm ein paar Unterlagen geben. Wenn er keine Zeit hätte, dann soll eben sein Sekretär oder Vertreter der Kurie kommen. Ein Polizist meinte, wir wären am falschen Platz, wir sollten zum "Casa Bianca" gehen. Aber die Friedensfrauen waren der Meinung, der Papst mit seiner Autorität müsse mehr für den Frieden und die Abrüstung tun. Wir hatten einige Unterlagen dabei und gaben sie den Mitarbeitern des Vatikans zur Weiterleitung. Eine Nonne hatte Mitleid mit uns und brachte Wasser. Pizza und dergleichen gab es keine. Ich hätte mir gerne die Decke in der Sixtinischen Kapelle angeschaut und war in diesem trostlosen Gang eingesperrt. Wenigstens hatte ich einiges in diesem prachtvollen Petersdom gesehen. Nach acht Stunden wurde dann ein Protokoll vom Polizeichef von jeder einzelnen gemacht. Die geübten Friedensaktivistinnen standen aber nicht freiwillig auf, sondern ließen sich in die Schreibstube tragen. Mit Ausnahme von mir. Mit mir hatten sie diesbezüglich keine Arbeit. Am anderen Tag, es war ein Sonntag, bin ich dann als Touristin wieder gekommen. Im Omnibus erzählte uns eine Reiseführerin, dass man in den Andenkenläden schöne Mosaikarbeiten und ein vergoldetes Papstkreuz erwerben könne, das der Papst selbst entworfen und natürlich gesegnet habe. Dieses habe ich dann erstanden und sie kostete umgerechnet etwa 70 Euro. Letztes Jahr habe ich das Kreuz bei Ebay verkauft, bekam aber leider nur einen Euro.

Auf dem Petersplatz waren viele Wohnwagen und Leute. Dann erschien der Papst auf dem Balkon und ein Mann neben mir weinte vor Freude. Er begrüsste alle und besonders die Pilger mit den Wohnwagen, sprach ein paar Worte, an die ich mich nicht mehr erinnern kann und schon ging es los mit "Gegrüsst seist du Maria!" Ich hatte mir eigentlich mehr erwartet.

Doch spielen wir einmal mit dem Gedanken, dass Jesus in den Vatikan kommt. Natürlich bekäme auch er keine Privataudienz, es sei denn, er hätte gute Beziehungen, wäre ein hohes "Vieh" oder hätte eine Menge Geld gespendet. Später habe ich gelesen, dass dies so läuft.

Somit steht Jesus einfach auf dem Petersplatz und schreit: "Ihr Schlangenbrut, ihr Otterngezücht - was habt ihr aus meiner Lehre gemacht? Habe ich euch geraten so viel Schätze anzuhäufen und dabei die Armen darben zu lassen? Habe ich euch befohlen euch schändlich in die Politik einzumischen, Angriffskriege zu führen bzw. zu unterstützen? Dachtet ihr, es war mir Recht, dass ihr euch immer auf die Seite der Reichen und Mächtigen gestellt habt? Habe Ich Menschen durch meinen Geist erleuchtet, dann habt ihr sie als Ketzer umgebracht. Oder ihr schweigt sie wie heutzutage tot.  Ich habe Petrus nicht zum ersten Papst gemacht und wollte doch gar nicht so eine Kirche, wie ihr sie den Menschen vorgebt. Glaubt ihr, meine Mutter hat eine Freude an den Gemälden hier, wo die damaligen Mätressen der Kardinäle Modell für sie standen? Sie und Ich haben überhaupt keine Freude an den vielen Tempeln, die ihr für sie bauen ließet. Meinetwegen müsste nicht ein Kirchengebäude stehen, die ihr nur aus Eitelkeit bauen ließet und vorgabt 'zur höhen Ehre Gottes'. Gott bedarf keiner solchen Ehre, aber ihr wisst ja nicht einmal wer Gott überhaupt ist und lehret, dass es drei göttliche Personen gäbe. Und was soll der ganze Heiligenkram. Habe Ich das etwa geboten? Ihr scheinheiligen Heuchler und Frömmler! Aber Ich werde nicht mehr lange zuschauen und euch eine Spaltung nach der anderen bescheren. Was ist euch eigentlich eingefallen zu behaupten, dass  bei jeder Messe in unblutigerweise meine Kreuzigung stattfindet? Ihr habt meine Worte verdreht und für eure Geschäfte benutzt. Was für ein Unsinn ist es doch, eine Oblate in meinen Leib wandeln zu wollen. Das wollt ihr den Menschen immer noch "verkaufen", auch wenn es täglich weniger werden. Meint ihr im Ernst, ich lasse mich in eine Monstranz oder gar in einen Tabernakel sperren? Holt mir sofort den sein wollenden Stellvertreter, damit ich ihm mal meine Meinung sage!"

Doch stattdessen kam die Schweizer Garde und ein Dutzend Polizisten und nahmen den Mann in Sandalen in Gewahrsam und sperrten ihn in ein Verlies, das sie zumauern ließen und kein Mensch erfuhr von diesem Zwischenfall. Doch Jesus war in seinem Astralleib gekommen und die Mauern waren kein Hindernis für ihn. Er beschloss auch nie mehr in den Vatikan zu kommen und sich direkt an die Menschen in ihren Herzen zu wenden.

Und am nächsten Sonntag erschien der Papst wieder auf dem Balkon, begrüßte die Menschen auf dem Petersplatz und begann zu beten: "Gegrüsset seist du Maria!"

Mit besten Wünschen und Grüssen

Ihre Traudy Rinderer

Anno domini 2009 am 16. Februar