Gelobt sei Jesus Christus!

Bitte um Vergebung, dass ich Sie nicht mit "heiliger Vater" anschreibe. Bei Matthäus steht, dass diese Anrede nur dem himmlischen Vater zusteht - und ich will mich nicht versündigen.

Zu Weihnachten haben Sie also wieder einmal den Gläubigen auf dem Petersplatz sowie den Fernsehzuschauern einen vollkommenen Ablass erteilt. Nun wüsste ich gerne, was denn ein vollkommener Ablass ist. Anlässlich des 2. Vatikanischen Konzils stellten Journalisten an Weihbischof Kampe aus Limburg die Frage, was eigentlich unter einem vollkommenen Ablass zu verstehen sei. Seine Antwort lautete: "Ja, wenn wir das wüßten!"

Zum Glück schenkte mir ein Bekannter ein altes Ablassbuch, das er bei der Altpapiersammlung gefunden hatte und dort steht zu lesen:

Auszug aus dem Buch "Die Ablässe, ihr Wesen und Gebrauch" von P. Joseph Schneider - approbierte Veröffentlichung 1884 Paderborn Verlag:

"Es gibt zwei Arten von Ablässen, den vollkommenen, und den unvollkommenen Ablaß. In der Bewilligung des einen wie des andern benutzt die Kirche mit der ihr eigenthümlichen Weisheit die Vollmacht, welche sie von Jesus Christus erhalten hat. Nachdem Papst Clemens VI. ausgesprochen, der Kirchenschatz sei dem h. Peterus und dessen Nachfolgern übergeben, um durch sie unter die Gläubigen ausgetheilt zu werden. Der vollkommene Ablaß heißt so, weil er die ganze zeitliche Strafe nachläßt, welche die schon nachgelassenen Sünden verdienten. Ist also Jemand so glücklich, ihn vollkommen und nach seiner ganzen Ausdehnung zu gewinnen, so ist er dem Erwachsenen zu vergleichen, der soeben die heilige Taufe empfangen hat; folglich würde er, wofern er in diesem glücklichen Zustande stürbe, sofort, ohne die Flammen des Fegfeuers zu berühren, in den Himmel eingehen. Unter den vollkommenen Ablässen ist der vorzüglichste und feierlichste der des Jubiläums.

Der unvollkommene Ablaß ist derjenige, wordurch nur ein Theil der durch die Sünden verdienten Strafe nachgelassen wird. So werden Ablässe von vierzig oder hundert Tagen, von sieben Quadragenen, von einem Jahre oder sieben Jahren usw. bewilligt."

Was für ein Schmarren um nicht zu sagen was für eine Katastrophe!

In diesem Buch steht so viel Unsinn, dass es für Menschen von heute nicht zu fassen ist. Bekanntermaßen hat Luther mit den käuflichen Ablässen der Kirche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Muss ein gutes Geschäft gewesen sein, wenn dadurch die herrlichen Dome und Kathedralen und was weiß ich noch, finanziert wurden. Aus noch vorhandenen und als echt erwiesenen Unterlagen ist klar, wie schändlich mit den Ablässen verfahren wurde. Anläßlich des Baues der Peterskirche erließ der damalige Papst eine Bulle über den Ablass. In der Bulle als Anlage beigefügten päpstlichen Kanzleitaxe (Preisliste für die zu vergebenden Sündenstrafen) ist am Schluss der folgende fast unglaubliche Satz zu finden: "Dergleichen Gnaden können Arme nicht teilhaftig werden, denn sie haben kein Geld, also müssen sie des Trostes entbehren." Leo X. verpachtete alsdann den Ablass an große Unternehmer. Die Generalpächter hatten wieder ihre Unterpächter. Das Ablasswesen war dann ja auch der Funke, der schließlich einen Brand entzündete, der im dreißigjährigen Religionskrieg die Länder verwüstete und Millionen Menschen das Leben kostete.

Doch auf dem 2. Vatikanischen Konzil wurde die mittelalterliche Gesinnung konserviert. Der Theologe Joseph Ratzinger hätte sich allerdings dagegen ausgesprochen. Er meinte, dass es keine biblische Begründung für das im 13. Jahrhundert eingeführte Ablasswesen gäbe. Wie wahr. Auch der Wiener Kardinal König war bei der Abstimmung dagegen. Doch die Kurie wies darauf hin, dass es bei den breiten Volksmassen, insbesondere bei den Frauen zu einer psychologischen Rückwirkung kommen könnte. Heute wirkt der Ablass auf gebildete Katholiken abstoßend - nicht nur auf mich. Das kommt davon, wenn man eine Religion auf eine einfältige, abergläubische Landbevölkerung in südlichen Ländern abstimmt.

Zu Allerheiligen 1993 begleitete ich meinen Mann, übrigens Kirchenchorsänger, in die Messe. Fassungslos vernahm ich nach der Predigt vom Pfarrer die Erteilung eines vollkommenen Ablasses. Darauf schrieb ich einen Leserbrief, der am 6. November 1993 in den "Vorarlberger Nachrichten" veröffentlicht wurde:

"Für wie beschränkt hält die katholische Kirche ihre Gläubigen, dass man anno 1993 zu Allerheiligen noch wagte, in den Kirchen den "vollkommenen Ablass" zu verkünden? Wenn ich mich recht erinnere, sind die Bedingungen Beichte, Kommunion, Gebet des Glaubensbekenntnisses sowie nach der Meinung des 'heiligen' Vaters bzw. Friedhofsbesuch. Nun, letzterer ist ein schöner Brauch, auch wenn Grablichter und Weihwasser heidnischen Ursprungs sind. Auch ein Fest ALLERHEILIGEN ist nicht im Sinne von Jesus. Jesus hat seinen Nachfolgern nie die Autorität zur Ernennung und Verehrung von Heiligen gegeben. Die Beichte wurde aus politischen Gründen eingeführt. Nur Gott kann Sünden vergeben, und kein Mensch dürfte sich anmaßen zu sagen 'ego te absolvo!' Die Kommunion ist nicht der Leib Christi, auch wenn das Dogma seit 1215 besteht. Im Glaubensbekenntnis sind ebenfalls Widersprüche zum Neuen Testament zu finden. Und was den 'heiligen' Vater betrifft: Jesus wollte kein Papsttum und nach dem Evangelium vom vergangenen Sonntag Mt. 23,1-12 auch kein hierarchisches Priestertum und schon gar keinen irdischen 'heiligen' Vater."

Sie sehen, ich bin recht gut informiert - dank echter Mystiker und Propheten, die leider, leider tot geschwiegen werden. Nachvollziehbar, denn der Konzern Kirche möchte weder seine Fehler aufgedeckt noch ein Zipfelchen von seiner Macht bzw. seinen Geldeinnahmen verlieren.

Ich habe in den letzten Jahrzehnten viele religiöse Bücher gelesen und festgestellt, dass es auch von Priestern viel Kritik gibt. Nach meinen Quellen hat z. B. Drewermann auch nicht überall Recht. Erstaunlich jedoch ist seine Feststellung zur Mystik.

Zitat Drewermann im SPIEGEL 51/1993

"Mystik - das ist: dass die Wahrheit Gottes im Menschen selbst liegt. Kirche, wie wir sie haben, das ist: dass die Wahrheit Gottes im römischen Lehramt liegt. Mystik - das ist: dass Gott zum Menschen unmittelbar spricht. Kirche, wie wir sie haben, das ist: dass Gott nur mittelbar durch den Mund seiner päpstlichen und bischöflichen Amtsinhaber sich dem Menschen 'mitteilt'. Man kommt nicht umhin, hier zu wählen; wo das eine ist, kann das andere nicht sein."

Dank Jakob Lorber, dem meiner Meinung nach größten Mystiker und Prophet der Neuzeit erfahren wir die Meinung von Jesus selbst zum Thema Ablass. Sie lautet:

"Welcher nur einigermaßen heller gebildete Mensch hält noch etwas auf einen Sündenablaß."                Gr. Ev. X/54

Und im Gr. Ev. VIII/46 und 47 steht gar geschrieben:

"Die gegenwärtigen Pharisäer haben den höchsten Kulminationspunkt nicht nur der Dummheit, sondern auch der notwendig daraus hervorgehenden Bosheit erreicht. Daraus aber geht dann hervor finsterer Aberglaube, Abgötterei, Haß gegen Andersgläubige, Verfolgung, Mord und die verheerendsten Kriege."

 Nach meiner Meinung ist eine Wendung zum Besseren eingetreten. Die Zeit der Glaubensverbreitung mit dem Schwert sowie Angriffskriege der Katholischen Kirche sind vorbei. Auch der Hass gegen Andersgläubige hat stark abgenommen. Mit abergläubischem Brauchtum können viele nichts mehr anfangen. Auch Katholiken können Bücher lesen, die nicht von der Kirche gestattet sind. Und wenn ich mir  erlaube Ihnen Kritisches zu schreiben bzw. zu verbreiten, werde ich wohl nicht auf dem Scheiterhaufen landen. Gott sei Dank!

Für heute verbleibe ich mit besten Wünschen

Ihre Traudy Rinderer aus Hohenems, Vorarlberg, Österreich

Anno domini 2009 am 16. Jänner